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    Ortsspaziergang Bruck an der Leitha

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    Das Geheimnis der Kreuzkugel

    Willkommen in der Grenzstadt Bruck an der Leitha, die als Ascherichesbrugge im Jahr 1074 erstmals urkundlich erwähnt wird. Die eigentliche Stadt wird planmäßig im 12. Jhd. errichtet.

    Wir starten unseren Spaziergang am Hauptplatz, der mit einem exakten Längen- und Breitenverhältnis von 2:1 nach römischem Vorbild angelegt wurde.  

    Schöne Brunnen und zwei Säulen zieren den Hauptplatz: die Dreifaltigkeitssäule - zum Dank für das Erlöschen der Pest und die Errettung aus der Türkennot 1693 errichtet - und die Mariensäule aus dem Jahr 1707: Sie wird von Anna Rosina Stumpf gespendet, der Witwe des kaiserlichen Medicus Johann Jakob Stumpf - mit der Auflage, für sie jedes Jahr eine Messe zu lesen. Bis in die 60-er Jahre hält man sich tatsächlich daran!

    Auch die barocke Stadtpfarrkirche zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit wird als Dank für die Errettung vor Pest und Türkennot Ende des 17. Jahrhunderts erbaut. Als Kirchturm dient ein bereits existierender Wachturm, der seit jeher im Besitz der Stadt ist. Darin befindet sich bis heute die Wohnung des Stadtwächters. Er muss Ausschau nach Feuer und Überfällen halten und stündlich von 10 Uhr abends bis 4 Uhr früh als Zeichen der Wacht in alle vier Windrichtungen mit seinem Nebelhorn blasen. Vergisst er darauf, zieht man einen „Siebzehner“ von seiner Besoldung ab. Übrigens: der letzte Brucker Turmwächter war eine Wächterin! Frau Stubbings versieht bis 1968 geflissentlich ihren Dienst.

    Repräsentative Gebäude reihen sich um den Hauptplatz, unter anderem das prächtige Brucker Rathaus, in dessen Hof eine der besterhaltenen mittelalterlichen Synagogen Europas gefunden wurde.  

    Zum Schluss noch eine bemerkenswerte Geschichte: Sehen Sie die goldene Kreuzkugel auf der Kirchturmspitze? Seit hunderten Jahren wird bei jeder Neuvergoldung eine Kassette mit aktuellen Angaben über die Stadt hineingelegt – zuletzt anlässlich der Renovierung im Jahr 1989.  Im Stadtmuseum Ungarturm sind Kopien des damals entnommenen Inhalts, nämlich Kassetten aus den Jahren 1911 und 1933, zu bewundern. Die Originaldokumente wurden gemeinsam mit aktuellen Zeitungsartikeln und Gemeinde-Informationen wieder in der goldenen Kugel für die Nachwelt deponiert.

    Foto © Daniela Kürner
    Text: Margit Neubauer