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    Ortsspaziergang Bruck an der Leitha

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    Die geschäftige Kirchengasse

    Mit ihren alten Bürgerhäusern und Bauernhöfen gilt die Kirchengasse als älteste Gasse im Stadtkern. Bis heute hat sie ihre Funktion als Geschäftsstraße nicht eingebüßt und ist seit 1978 Fußgängerzone.   

    Vom Hauptplatz führt die Kirchengasse einst an dieser Stelle durch das Kirchentor aus der Stadt zur außerhalb in der Vorstadt gelegenen Martinskirche.  Viele Bauern der Stadt haben ihre Weingärten am Südhang des Leithagebirges von Donnerskirchen bis Neusiedl am See, damals noch ungarisches Gebiet. Sie müssen die geernteten Trauben durch dieses Tor in die Stadt bringen, wo sie gewogen und die fälligen Abgaben berechnet werden.

    Während ein Großteil der Brucker Stadtmauer noch erhalten ist, werden die Stadttore im 19. Jahrhundert aus Verkehrsgründen geschleift, so auch das Kirchentor im Jahr 1850.  Die 3 weiteren Tore - Ungartor, Wiener Tor und Hainburger Tor - ereilt dasselbe Schicksal.  3 Stadttürme hingegen sind glücklicherweise erhalten geblieben: Wiener Turm, Pulverturm und Ungarturm, die uns allesamt noch begegnen werden.

    Am Ende der Kirchengasse steht heute der 23 Meter hohe Zunftbaum, eines der Wahrzeichen der Stadt. Auf diesem sind alle Zünfte, die es in Bruck gab, dargestellt. Und es gab viele, nicht zuletzt, weil Herzog Rudolf IV. am 16. März 1363 ein freies Niederlassungsrecht für Handwerker und Kaufleute erließ. 

    In einem Ratsbeschluss wird 1702 die Reihenfolge der Zünfte bei Prozessionen festgelegt: An der Spitze sollen die Müller gehen, dann Bäcker, Fleischhacker, Lederer, Schuhmacher, Tuch- und Kotzenmacher, Hafner, Schneider, Schmiede und Wagner, Schlosser, Büchsenmacher und Tischler, Leinenweber, Fassbinder, Seiler, Zimmerleute und am Ende Maurer und Steinmetze.  

    Herr Walter Kimmelmann, ein Brucker Gastwirt und unvergessenes Original, hat den Zunftbaum 1977 entworfen, handgefertigt und sich dabei einen kleinen Spaß erlaubt: Die 4. Darstellung links oben zeigt die Zunft der Steinmetze – repräsentiert durch … Obelix!

    Foto, Text © Margit Neubauer