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    Ortsspaziergang Bruck an der Leitha

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    Kaiserliche Jubelfeier in der Burg

    Hier in der Johngasse blicken Sie auf eines der bekanntesten Brucker Gebäude, die sogenannte Burg, heute ein attraktives Wohnhaus mit Kindergarten und Arztpraxis.

    Vermutlich unmittelbar nach Fertigstellung der Stadtmauer im 11. Jahrhundert baut man ein 25 x 10 Meter langes „Festes Haus“. Der Vorläufer einer mittelalterlichen Burg wird schräg zur Stadtmauer angebaut und dient dem Schutz der Stadt sowie als Waffenplatz und Zeughaus.

    Im Jahr 1316 erhalten die Augustiner die Erlaubnis, an den Mauern der Stadt ein Kloster zu errichten, das Feste Haus dient ihnen dabei als Wohnbau. Eine große, dreischiffige Kirche wird errichtet, deren Schutzpatronin die heilige Magdalena ist. Nach Auflösung des Klosters unter Kaiser Joseph II wird die Burg 1788 an drei Wiener Bürger verkauft.

    Neuen Aufschwung erhält Bruck im 19. Jahrhundert durch den Zuzug des Militärs. 1806 werden das ehemalige Kloster und die Kirche zur Kaserne umgebaut, die ab 1846 auch als Militär- und Erziehungsanstalt dient. Später ist darin auch ein Spital der Nordarmee untergebracht.

    Berühmtheit erlangt die Brucker Burg aber als Hoflager, von dem aus Kaiser Franz Joseph alljährlich die Truppen im Brucker Lager inspiziert. Das größte Übungslager im Osten Österreichs liegt am rechten Ufer der Leitha auf ungarischem Boden – dem heutigen Bruckneudorf - und wird bis zum Ersten Weltkrieg als Garnison - unter anderem vom bosnisch-herzegowinischen Feldjäger-Bataillon - benutzt. 

    Auch im Jahr 1898, in dem die ganze Monarchie das 50-jährige Thronjubiläum seiner Majestät feiert, besucht Kaiser Franz Joseph wie jedes Jahr das Brucker Lager. Das Wiener Salonblatt berichtet am 25. Juni ausführlich über die Jubelfeier in der Burg, bei der den Bruckern eine besondere Ehre widerfährt: Der Kaiser hebt beim Diner das Glas zu einem Toast und lobt das ausgezeichnete Einvernehmen zwischen der Brucker Bürgerschaft und dem Militär.

    Laut Wiener Salonblatt geschah es zum allerersten Mal, dass der Oberste Kriegsherr bei solchem Anlass sein Glas erhob.

    Text © Margit Neubauer
    Foto © Gerhard Sindelar, beyondarts.at