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    Ortsspaziergang Bruck an der Leitha

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    Wie die Raabergasse zu ihrem Namen kam

    In dieser historischen Brucker Gasse, der Raabergasse, kann man anhand der kleinen Häuser und Höfe noch gut die ehemalige bäuerliche Struktur der Stadt erkennen. Die Bauernhäuser liegen unter heutigem Straßenniveau, sind nicht unterkellert und bestehen aus massiven Steinmauern. Im Hof befinden sich die Stallungen sowie Weinkeller und Schuppen. Zum Teil sind sie heute noch vorhanden und vom Zwinger aus zu begehen.

    Viele der teils sehr vermögende Bauern und Winzer haben ja ihre Äcker und Weingärten auf damals ungarischem Gebiet. Die Brucker Winzer genießen dabei Privilegien, wie sie sonst nur Wiener Neustadt und Hainburg zuteilwerden: ihnen ist nämlich der Handel mit ungarischem Wein in ganz Österreich erlaubt – außer in Wien. Darüber hinaus dürfen sie den Wein von Ungarn zollfrei einführen.

    Bruck entwickelt sich daher zum Zentrum des ungarischen Weinhandels. Aufgrund seiner besonderen Güte wird der ungarische Wein bis Bayern, Böhmen, Schlesien und Polen verkauft. Wie gut die Qualität gewesen sein muss, beweist eine Vermögenserhebung der Stadt Bruck aus dem Jahre 1658: Der Wert eines ungarischen Weingartenviertels übertrifft den eines österreichischen mitunter um das Doppelte.

    Wenn auch kein Zoll gezahlt werden muss, so ist die Einfuhr doch mit Auflagen verbunden: ein sogenannter Zehent an die Ungarn wird fällig. In einer Urkunde aus dem Jahre 1365, die im Besitz des Burgenländischen Landesarchivs ist, wird festgestellt, dass die Bürger von Bruck angehalten sind, von jedem einzelnen Eimer Weines je 4 Pfennige Zehent zu zahlen.

    Unterzeichnet ist das Dokument von Coloman, von Gottes und des Apostolischen Stuhles Gnaden, Bischof der Kirche zu Raab – womit das Geheimnis gelüftet ist, wie die Raabergasse zu ihrem Namen kam.

    Und wohl in Vorfreude auf die zu erwartenden Einnahmen entbietet der Bischof von Raab in besagter Urkunde „allen seinen geliebten Zehent-Eintreibern seinen Segen und seine aufrichtige Liebe“.

    Foto, Text © Margit Neubauer