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    Ortsspaziergang Fischamend

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    Die geheimnisvolle Vergangenheit des Gutshofs Rottner 

    Sie blicken hier auf den Gutshof Rottner, eines der ältesten Gebäude Fischamends.  Zahlreiche Legenden ranken sich um das idyllisch an der Pforte zur Kleinen Au gelegene Anwesen, zum Beispiel ein mittelalterlicher Raubritter namens Ludvenko hätte an diesem Ort sein Unwesen getrieben. Auch das Gerücht über einen unterirdischen Geheimgang, der von hier direkt in die Dorfkirche führen soll, hält sich hartnäckig.

    Gesichert ist, dass bis in unsere Zeit zu dem Anwesen eine Mühle gehörte, die einst als „Templer-Mühle“ bezeichnet wurde. Mit größter Wahrscheinlichkeit nämlich wird der Besitz vom Landesfürsten Leopold V. im 12 Jahrhundert dem Templerorden überlassen.

    Der 1118 in Jerusalem gegründete bis heute geheimnisumwobene Orden der Tempelritter verband die Ideale des Rittertums mit denen der Mönche. Neben dem Schutz der Pilger und zahlreicher, religiös geprägter kriegerischer Aktivitäten, waren die Templer auch für ihre wirtschaftlichen Geschicke bekannt. Es gibt zahlreiche Belege für ihre Verleih- und Wechselgeschäfte.

    Nach der Auflösung des Templerordens wird das Gut samt Mühle verkauft und schließlich im Jahre 1663 vom damaligen Besitzer, dem Grundherren von Gallbrunn, dem geistlichen Orden der Paulaner in Wien vermacht. Nur kurz dürfte das Paulanerkloster existiert haben, denn das klösterliche Leben wird wohl durch den Türkensturm des Jahres 1683 ausgelöscht und nicht mehr aufgenommen.

    Sie sehen, die Geschichte des Gutshofes Rottner kann wahrlich als abenteuerlich bezeichnet werden. Vieles ist belegt, manches wird gemutmaßt. Die Annahme, dass hier der sagenumwobene Orden der Tempelritter einen Sitz hatte, ist aber durch einen spektakulären Fund zumindest wahrscheinlicher geworden:

    Die heutigen Eigentümer fanden nämlich bei einem Umbau unter der Fassade in einem blinden Fenster das Bild eines Geldwechslers, das wohl auf die geschäftstüchtigen Templer zurückzuführen ist. Wer genau schaut, kann es heute wieder bewundern.

    Foto, Text © Margit Neubauer
    Die Texte der Hörgeschichten entstanden mit freundlicher Unterstützung von Prof. Adalbert Melichar, Ing. Rudolf Ster und Barbara Marangoni.