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    Ortsspaziergang Fischamend

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    Die Geistergräfin von Fischamend

    Wenn Sie auf der kleinen blauen Brücke stehend nach rechts blicken, schauen Sie auf die ehemalige Herrschafts-Mühle, wo einst das „Schloss zu Fischamend“ stand. Es war Sitz der Grundherrschaft des Marktes Fischamend. Der letzte Grundherr war der einflussreiche Fürst Batthyany, der auch die Güter Trautmannsdorf, Götzendorf und Enzersdorf besaß.

    Einst aber war Gräfin Barbara Khevenhüller, geborene von Teufel, die Grundherrin über das landesfürstliche Lehen. In die Fischamender Geschichte ging sie als die Geistergräfin ein und seit vielen Generationen wird die schaurige Geschichte erzählt:

    Sobald die Dämmerung niedersinkt,
    beginnet ihr Geist noch zu jagen.
    Und irret umher in Felder und Auen
    Bis er das Glöcklein hört klagen.

    Im Schlosse zu Fischamend lebte einst eine reiche junge Gräfin, die mit Leib und Seele Jägerin war. Ihre Jagdleidenschaft machte sie für alles andere blind. Selbst am Sonntagmorgen, wenn die frommen Leute zur Kirche gingen, erschallten die Jagdhörner und wildes Hundegekläff. Die Meute zertrampelte rücksichtslos blühende Felder und wenn ein Bauer um Gnade flehte, schwang sie ihre Peitsche nach ihm.

    Eines Tages hatten die Treiber einen Hirsch aufgespürt, der von der Gräfin bis in den tiefsten Wald verfolgt wurde. Das gehetzte Tier brach vor einem betenden Einsiedler zusammen und suchte Schutz. Der Klausner erhob sich gegen die heranstürmende Gräfin und bat sie, den Hirschen zu verschonen, doch die Hartherzige erschoss das Tier mit Ihrem Bogen. „Weh dir, Verwegene! soll sie der Alte angeherrscht haben: „Du sollst verdammt sein für diesen Frevel!“

    Da erfasste die Gräfin jähes Entsetzen, sie blies nach ihrem Gefolge, doch dieses war nicht zu sehen. Allein irrte sie durch den Wald, bis es stockdunkel war und fand den Ausgang nicht. Da hörte Sie das Glöckchen vom Marktturm, das sie ins Dorf zurückführte. Obwohl sie reuevoll um Gnade flehte und von nun an täglich zur selben Stunde die Glocke läuten ließ, blieb sie vom Schicksal nicht verschont. Barbara Khevenhüller starb im Jahre 1634 bei der Geburt ihres siebenten Kindes und ihre arme Seele soll bis heute des Nachts umherirren.  

    Foto, Text © Margit Neubauer
    Die Texte der Hörgeschichten entstanden mit freundlicher Unterstützung von Prof. Adalbert Melichar, Ing. Rudolf Ster und Barbara Marangoni.