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    Ortsspaziergang Fischamend

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    Fischamend schreibt Luftfahrtsgeschichte

    Ab 1909 hätte sich hier anstelle des Dr. Cermak Bildungszentrums ein wachsender Gebäudekomplex erstreckt: das k.u.k. Fliegerarsenal, zentraler Luftfahrtrüstungsbetrieb und größte Luftfahrtforschungsanstalt der Donaumonarchie.

    Die beim Wiener Arsenal bestehende, auf Ballons ausgelegte „k.u.k. Militär-Aëronautische Anstalt“ war zu klein geworden und für Luftschiffe und Flugzeuge ungeeignet.

    Da Fischamend Platz bot, entschloss sich das Kriegsministerium, die Anstalt hierher zu verlegen und für den Betrieb von Lenkballonen und Flugzeugen einzurichten. Die Nähe Wiens, günstige Flugbedingungen und der Bahnanschluss sprachen für diesen Standort.

    1909 beginnt der Bau des Luftschiffhafens. Neben zweier Luftschiffhallen werden eine Gasfabrik zur Wasserstoffherstellung und ein Flugzeughangar errichtet. Fünf Luftschiffe sind hier stationiert: Parseval, Lebaudy, Körting, Boemches und Stagl-Mannsbarth, das damals größte Prall-Luftschiff der Welt.

    Bald laufen die Flugzeuge den Luftschiffen den Rang ab. Geflogen und erprobt werden die neuesten Flugzeug- und Motorentypen, beginnend mit der Etrich-Taube mit Daimler-Motor. 1911 gelingt das Husarenstück: ein Flug von Wiener Neustadt nach Fischamend und zurück, immerhin 112 km, durch Oberleutnant Blaschke von Zwornikkirchen in nur 1 Stunde und 17 min zurückgelegt. Der Pilot erhält den Militärpreis des Kaisers.

    Das Ende der Luftschiffe markiert der 20. Juni 1914: Beim Zusammenstoß eines Schulflugzeuges mit dem Körting-Luftschiff kommen neun Besatzungsmitglieder ums Leben. Das „Körting-Unglück“ geschieht nur acht Tage vor dem Attentat von Sarajewo, ein weiterer Vorbote des Weltkriegs.

    1918 sind 5.300 Menschen hier beschäftigt, hunderte Flugzeuge werden gefertigt, umgebaut und repariert, Luftschrauben und Ersatzteile werden produziert, Motoren instandgesetzt und Hubschrauberforschung betrieben. Persönlichkeiten wie Porsche, von Karmán und Knoller forschen hier und testen ihre neuesten Entwürfe.

    Auch wenn heute vom damaligen Glanz nur mehr wenig zu sehen ist, hat ein Zeitzeuge überdauert: der markante Wasserturm am Ende der Straße hat beide Weltkriege unversehrt überstanden und ist noch heute in Betrieb.

    Foto: Gebäude des Fliegerarsenals Fischamend aus dem Jahr 1917 © Interessengemeinschaft Luftfahrt Fischamend ILF
    Text: Margit Neubauer
    Die Texte der Hörgeschichten entstanden mit freundlicher Unterstützung von Prof. Adalbert Melichar, Ing. Rudolf Ster und Barbara Marangoni.