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    Ortsspaziergang Marchegg

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    Der ungetreue Verwalter des Fürsten

    Im Westen blicken Sie auf die sogenannte Nani-Au, ein nach Nandina Pálffy benanntes Naturschutzgebiet, in dem die beliebte Fürstin gerne spazieren ging. Dieses Gebiet ist nicht mehr direkt an die March angebunden. Auf dem moorigen Boden wachsen neben Pflanzenraritäten wie Lungenenzian, sibirische Schwertlilie und Orchideen auch die mittlerweile seltenen Schwarzerlen.

    Auch Rotwild oder Wildschweine kreuzen manchmal den Weg – aber wirklich gefürchtet sind wohl die berühmt-berüchtigten „March-Vampire“ – die Gelsen! Für uns Menschen sind Sie unbeliebte Plagegeister, jedoch für das Ökosystem extrem wichtig! Ihre Larven halten das Wasser sauber und ob als Larve oder Gelse, sind sie Nahrung für unzählige Tiere wie Fische, Amphibien, Insekten und Vögel. Ein kleiner Trost: in den Marchauen gibt es fast 40 Gelsen-Arten, aber nur 2 ernähren sich von Blut - und von denen auch nur die Weibchen.

    Auf alle Fälle waren Gelsen immer schon Bestandteil des Lebens an der March, wie folgende Geschichte belegt:

    Einst hat Fürst Palffy einen tüchtigen, aber eigennützigen Verwalter. Als sich die Beschwerden häufen, dass sich dieser bereichere und für geleistete Holzfuhren zu wenig Wein liefere, befielt der Fürst, den Mann zu entlassen und ihn zur Strafe in der Au entblößt an einen Baum zu binden. Dort sollen sich die Gelsen an ihm vollsaugen, so wie er seine Untergebenen ausgesaugt hat. Rasch ist der Unglückliche über und über mit Gelsen bedeckt. Aus Erbarmen will man die Quälgeister entfernen, doch der Verwalter bittet, dies nicht zu tun. Auch als der Fürst selbst in die Au kommt, lehnt der Mann Hilfe ab und erklärt: „Sobald ihr die schon mit Blut vollgesogenen Gelsen vertreibt, kommen andere und die Tortur beginnt von Neuem! So ist es besser, dass die bereits Satten bleiben!”

    Da wird der Fürst sehr nachdenklich und gibt Befehl, den Unglücklichen zu befreien und im Dienst zu belassen. Er sagt sich: "Wenn ich einen neuen Verwalter einstelle, ist dieser vielleicht auch unehrlich. Es ist besser, den bisherigen zu behalten. Wenn dieser sich genug angeeignet hat, wird er hoffentlich meinen Untergebenen auch ihren gebührenden Anteil lassen."

    Foto, Text © Margit Neubauer