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    Ortsspaziergang Marchegg

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    Grenzfluss March

    Vom Eisernen Vorhang zum Grünen Band

    358 km fließt die an der Grenze zwischen Polen und Tschechien entspringende March, bis sie als mächtiger Fluss nicht weit südlich von hier bei der Thebener Pforte in die Donau mündet.

    Das markante Zollwachedenkmal – im Volksmund „Der Adler“ genannt – weist auf die Bedeutung der March als Grenzfluss hin. Einst Grenze zu Ungarn, ist die Flussmitte heute Staatsgrenze zur Slowakei. Über Jahrhunderte ermöglicht an dieser Stelle eine Überfuhr regen Handel.

    Auf der anderen Seite der March befindet sich die Csarda, ein beliebtes ungarisches Gasthaus. Bis in die Zwischenkriegszeit ist besonders die Marchegger Jugend dort zahlreich vertreten. Wein trinkt man nicht in Achtel oder Viertel, sondern in ein oder drei Dezi, man raucht ungarische Zigaretten, tanzt zu Csardasklängen und kehrt spätabends per Fähre wieder zurück. Kein Wunder, dass man das ungarische Gasthaus die Marchegger Csarda nennt.

    Nach dem Zweiten Weltkrieg ist es mit der Gemütlichkeit vorbei. Mit Stacheldrahtzaun, Minenfeldern, Wachtürmen und Bunkern wird der Osten hermetisch abgeriegelt. Wer sich unbefugt der Grenze nähert, begibt sich in Lebensgefahr. Erst 1989 wird die March wieder eine grüne, unbewachte Grenze und Fischer beiderseits des Flusses können sich wieder friedlich gegenübersitzen. Heute bildet das ehemalige Gebiet des Eisernen Vorhangs als „Grünes Band“ von Murmansk am Eismeer bis Burgas am Schwarzen Meer die längste zusammenhängende Naturoase Europas.

    Der Bau des Hochwasserschutzdammes, auf dem Sie stehen, wird 1914 begonnen. Bei der Generalsanierung 2006 findet man im Damm Überreste der alten Stadtmauer. Sie stehen also auf einem soliden Bauwerk! Die Gesamtfläche der Hochwasserschutzdämme auf österreichischer Seite entspricht der Größe von circa 600 Fußballfeldern. Die trockenen Blumenwiesen der Dammböschung haben sich zu einem wichtigen Lebensraum für seltene Pflanzen, wie dem Steppen-Salbei entwickelt und Amphibien nutzen sie als Überwinterungsquartier, z.B. die Knoblauchkröte. Sie sondert in Stresssituationen Knoblauchgeruch ab, um Feinde abzuwehren. Auch eine interessante Strategie!

    Foto: © Judith Michaeler-Teixeira
    Text: © Margit Neubauer