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    Ortsspaziergang Marchegg

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    Von Türmen, Mauern und Gänseweiden

    Marchegg ist im Mittelalter von einer imposanten Stadtmauer mit Wall und Stadtgraben umgeben und kann durch 3 Tore betreten werden. Die Hauptstraße, die Sie gerade überquert haben, führte durch das um 1900 abgetragene Groißenbrunnertor, auch Hainburger-Tor genannt. Neben dem Wienertor ist auch noch das Ungartor mit seinen gotischen Sitznischen erhalten, das sie in wenigen Minuten sehen können.

    Die Stadtmauer ist mit Zinnen einst circa 10m hoch und 2m dick. Über 50.000 Ochsenkarren mit Steinen müssen herbeigeschafft werden – es werden sogar Teile der römischen Ruinen von Carnuntum hier verbaut! Mancherorts sind nur noch Mauerreste und ein Erdwall übriggeblieben, die Mauersteine werden nämlich über Jahrhunderte für Hausfundamente und Straßenbau verwendet.

    Außerhalb der Stadtmauer befanden sich ausgedehnte Weideflächen, deren Reste Sie hier noch sehen können. Bis vor wenigen Jahrzehnten werden im Sommer täglich die Rinder, Pferde und schnatternden Gänse der Bauern auf diese Wiesen getrieben – eine Morgenmusik der besonderen Art! Die Bezeichnungen Gänseweide und Ochsenweide weisen bis heute auf diese Nutzung hin und auch ein alter Bauernspruch ist überliefert:

     Wia da Ocka, so de Ruam,
    wia da Voda, so de Buam,
    wia de Muada, so de Techta,
    gwenli no a bissl schlechta.

    Gleich werden Sie den Pulverturm entdecken, der im 19. Jahrhundert ein Depot für feuergefährliche Substanzen war. Die Tümpelwiese rund um den Turm ist das erste Schutzgebiet weltweit, das 1982 für Urzeitkrebse  eingerichtet wurde. Hier haben die seltenen Urzeitkrebse ihre letzten Refugien in Österreich. Die lebenden Fossilien haben sich in den letzten 280 Millionen Jahren kaum verändert. Mit einer stattlichen Länge von 11 cm besonders beeindruckend ist der Sommer-Rückenschaler, besser bekannt als Triops.

    Die umliegenden Wiesen sind aber auch für die Marchegger Störche ideal. Hier finden sie genügend Nahrung für ihre immer hungrigen Küken, die ca. Anfang Mai schlüpfen. Dazu mehr bei der letzten Station.

    Foto, Text © Margit Neubauer