Die Geschichte der Mautmännchen
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Ortsspaziergang Petronell-Carnuntum

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Die Geschichte der Mautmännchen

Auf den Pfeilern des ehemaligen Ungartores haben sie platzgenommen, die beiden Wächter in der Amtstracht. Ihre Geschichte erzählt der Kunsthistoriker Josef von Scheiger im 19. Jahrhundert:

Nach erfolgreicher Heuernte im Sommer 1778 hat ein heimkehrender Bauer mit einem zu hoch beladenen Heuwagen den Torbogen der Ortsbefestigung eingerissen. Damit das nicht wieder passiert, setzt man zwei Steingestalten auf die beiden Pfeiler und legt ihnen durch eine Inschrift folgende Worte in den Mund: „Sehet liebe Nachbarn mein, wir zwei wollen Wächter sein.“

Dass es in Petronell Wächter braucht, zeigt sich durch die Osmanenangriffe 1683 und im frühen 18. Jahrhundert, als aufständische Rebellen, die sogenannten Kuruzen, ihre antihabsburgische Revolte auch an der Bevölkerung Petronells auslassen.

Zum Glück kommen aber auch friedliche Leute durch die Tore - viele von ihnen zum Petroneller Jahrmarkt. Es ist einer der ältesten und bedeutendsten Märkte des Landes und darf an bestimmten Tagen abgehalten werden.  Von 15. Mai bis 15. Juni, also 2 Wochen vor und nach dem Fest der Heiligen Petronilla, findet hier bis ins 16. Jahrhundert eine internationale Fernhandelsmesse statt. Für Besucher und Händler werden sogar herzögliche Passierscheine ausgestellt, um ungehindert durch Österreich reisen zu können.  

Die Bedeutung dieses Marktes geht wohl auf die Bekanntheit von Carnuntum als einem der wichtigsten Handelsplätze des Imperium Romanum zurück. Es darf angenommen werden, dass auch nach der ruhmreichen Zeit Carnuntums zwischen den mächtigen Ruinen die Tradition des Handels weitergeführt wurde. Sogar als das in der Nähe gelegene Hainburg das urbane Zentrum der Region wurde, kamen die Kaufleute zum Jahrmarkt in die legendäre Römerstadt - auch wenn diese jetzt ein kleines Dorf war.

Text © Margit Neubauer
Foto © Gerhard Sindelar, beyondarts.at