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Ortsspaziergang Petronell-Carnuntum

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Wie Petronell zu seinem Namen kam

In früheren Zeiten war eine Kirche nicht nur ein Ort der Religionsausübung, sondern auch politisch äußerst wichtig. Um das Land zu regieren und insbesondere auf die Arbeitskraft und Abgaben der Bevölkerung zuzugreifen, bedienen sich geistliche und weltliche Grundherren der Kirchen.

Man vermutet die Ursprünge von Petronell und seiner Kirche bei Agnes von Poitou*, die als Kaiserin Agnes nach dem Tod ihres Mannes Heinrich III anstelle ihres minderjährigen Sohnes einige Jahre lang das römisch-deutsche Reich regiert. Ihre Lieblingsheilige ist Petronilla, die der Legende nach Märtyrerin für ihren Glauben und Tochter des Apostels Petrus gewesen sein soll. Agnes wird im Jahr 1058 mit einem Gebiet zwischen Hainburg und Fischamend beschenkt und verleiht dieses an den Marktgraf von Vohburg.

Als Agnes 1077 stirbt, wird sie bei ihrer Lieblingsheiligen in der Petronilla-Rotunde in Rom bestattet. Ihr zu Ehren errichten die Vohburger eine Pfarre mit dem Patronat der heiligen Petronilla. Aus der mittelalterlichen Ortsbezeichnung Sancta Petronilla wird Petronell-Carnuntum.

Die Grenzlage von Petronell an der Donau und der Bernsteinstraße trägt seit jeher zum wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung bei – wie auch die Entwicklung der Römerstadt Carnuntum zeigt. Es brauchte aber auch Schutz vor feindlich gesinntem Besuch. Schießscharten in der Friedhofsmauer, einst Teil der Ortsbefestigung, zeugen heute noch von der Wehrhaftigkeit. Auch die Pfarrkirche St. Petronilla blickt auf eine bewegte Geschichte zurück: wie beispielsweise das Jahr 1683 zeigt, als osmanische Heerscharen und plündernde Soldaten die Pfarrkirche schwer beschädigten.

Aber kein Schaden ohne Nutzen: Der Turm mit seinem ursprünglich pyramidenförmigen Steindach musste im oberen Teil neu gebaut werden und erhielt sein heutiges schönes Zwiebeldach.

*Französische Aussprache Poatu

Foto, Text © Margit Neubauer